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  <forf>Peter Tudvad</forf>
  <titel>Journalen JJ</titel>
  <i>Søren Kierkegaards Skrifter</i>
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  <korttit>JJ</korttit>
  <udg.af>Niels Jørgen Cappelørn, Joakim Garff, Johnny Kondrup og Jette Knudsen</udg.af>
  <kodning>Kierkegaard Normalformat vers.1, Karsten Kynde 1999 <!--konv. fra WordPerfect/RTF af rtf2kom.awk v22 KK 2001.4.24--></kodning>
  <copyright>Søren Kierkegaard Forskningscenteret 2001</copyright>
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  <dato>20070227</dato>
  <ered>Karsten Kynde og Kim Ravn</ered>
  <vers>1.1</vers>
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  <k id="jj-11-e" x="e" side="146m" linie="1" nr="7.a"> <lemma><fed><kur>Herder's Werke. Zur schönen Litteratur und Kunst</kur> bd. 16, s. 9-11</fed></lemma> <klin>»Wohlauf, klangvolle Cither / Nach Tejer Melodien / Nach Lesbischen Gesängen / In <kur>feierlichen</kur> Tönen / Ein <kur>dorisch</kur> Lied zu singen; / Ein Lied, doch nicht von Nymphen, / Die aphrodisisch lächeln, / Auch nicht von holden Knaben / In süßer Lebensblüthe. / Ein himmlisch reines Feuer / Von gottgeweihter Inbrunst / Treibt mich, daß ich die Cither / Zu heilgen Liedern schlage, / Und jeder süßen Sünde / Der Erdenlust entweiche. / Was ist denn Macht und Schönheit? / Was ist denn Ruhm und Reichthum / Und alle Königsehren / Entgegen frommer Andacht? / <kur>Der</kur> sey, ein schöner Reiter, / Ein schneller Schütze <kur>jener</kur>, / <kur>Ein anderer</kur> bewache / Gehäufte goldne Schätze. / <kur>Dem</kur> hange seine Locke / Zierlich hinab die Schulter; / Von <kur>jenem</kur> sey gepriesen / Bei Jünglingen und Mädchen / Sein glänzend holdes Antlitz. / <kur>Mir</kur> sey ein stilles Leben, / Ein heiliges vergönnet, / Unscheinbar vor den Menschen, / Doch nicht vor Gott verborgen / <kur>Mir</kur> stehe bei die Weisheit, / Die stark ist, mich zu leiten / Durch Jugend und durch Alter. / <kur>Sie</kur>, Königinn des Reichthums, / Die auf unebnen Wegen / Das harte Joch der Armuth / Mit leichtem Muth erträget; / <kur>Sie</kur>, die in bittrem Kummer / Des Lebens heiter lächelt. – / So viel sey mir gewähret, / Daß, schwarzer Sorg' entnommen, / Ich eines Nachbars hütte / Im Mangel nie bedürfe. – / Horch auf! Cicada singet / Von Morgenthaue trunken. / Schau, wie die Saite stärker / Mir schlägt, und eine Stimme / Begeisternd mich umtönet! / Was gibst du für ein Lied mir, / Du heilige Begeistrung? – «</klin> </k> <!--JJ:20 (IV A 8)-->
  <k id="jj-35-e" x="e" side="149" linie="22" nr="20"> <lemma><fed><kur>Die Politik des Aristoteles</kur> bd. 1, s. 407f.</fed></lemma> <klin>»Eben so wurde zu Delphi eine Familien-Zwistigkeit, die bey Gelegenheit einer Verheyrathung entstand, der Grund und der Anfang aller folgenden bürgerlichen Unruhen. Der Bräutigam nämlich, dem die Auguria ein Unglück bey seiner Verehlichung geweissaget hatten, änderte, als er kam seine Braut abzuholen, plözlich seinen Entschluß, und gieng ohne sie davon. Die Verwandten der Braut, welche verspottet zu seyn glaubten, schafften heimlich, um sich zu rächen, eines von den Kleinodien aus dem Schatze des Tempels unter seine Geräthschaften, als er eben im Tempel opferte; und brachten es denn dahin, daß er als Tempelräuber zum Tode verurtheilt wurde.«</klin> </k> <!--JJ:21 (IV A 9)-->
  <k id="jj-36-e" x="e" side="150" linie="1" nr="21"> <lemma><fed><kur>Die Politik des Aristoteles</kur> bd. 1, s. 460-466</fed></lemma> <klin>»Was nun die Ursachen betrift, welche die monarchische Regierungsform umwandeln oder umstürzen: so habe ich schon gesagt, daß sie mit denen, welche bey andern Verfassungen statt finden beynahe dieselben sind. Erlittene Ungerechtigkeit, Furcht oder Verachtung, das sind die vornehmsten Gründe, um deren willen die Unterthanen gegen ihre Monarchen aufsätzig werden. Unter den Beleidigungen sind Kränkungen der Ehre und schimpfliche Begegnung das, was am meisten das Volk zum Aufruhr bringt: aber auch die Verletzung des Eigenthums kann zuweilen diese Wirkung haben. / Der Zweck, den sich die Empörer vorsetzen, ist bey Tyrannen und Königen beynahe derselbe. Die Monarchen von beyden Benennungen besitzen immer einen so großen Reichthum, oder zeigen sich in einem so hohen Glanze der Ehre, daß sie die Begierde aller rege machen. / Die Angriffe selbst geschehen bald gegen die Person der Regenten, bald nur gegen ihre Regierung. Die welche aus Rache wegen erlittener Beschimpfung unternommen werden, gehen gemeiniglich auf die Person. / Der Arten schimpflicher Begegnungen giebt es sehr viele: aber es ist keine, welche nicht den Zorn rege mache. Wer aber zürnt und aus Zorn den Obern angreift, thut es um sich zu rächen, nicht um sich empor zu schwingen. So kam z.B. der Aufstand gegen die Pisistratiden in Athen daher, weil Hipparchus die Schwester des Harmodius gemißbraucht, den Harmodius selbst aber insultirt hatte. Nun verschwor sich Harmodius gegen ihn, um seine Schwester, Aristogiton aber, um seinen Freund Harmodius zu rächen. Gegen den Periander, Tyrannen zu Ambracia, verschwor man sich wegen eines unflätigen und entehrenden Scherzes, durch welchen er einen jungen Menschen von guter Herkunft, sonst seinen Liebling, bey einem Gastmahle beleidiget hatte. Philippus von Macedonien wurde von dem Pausanias umgebracht, weil er diesen ungestraft von einem seiner Hofleute dem Attalus hatte mißhandeln lassen. Ein ähnliches Schicksal erfuhr aus eben diesem Geschlechte Amyntas der kleine von dem Derdas, in Absicht dessen er sich Dinge gerühmt hatte, welche die Jugend desselben beschimpften. Der Eunuch Nikokles, Mörder des Evagoras, Königs von Cypern, war nur dadurch gegen ihn in Wuth gebracht worden, daß ihm der Sohn des Evagoras die Person, welche Nikokles seine Frau nannte, entführt hatte: eine Gewaltthätigkeit, die ihn eigentlich als eine Beschimpfung wegen seines körperlichen Gebrechens kränkte. Viele Monarchen haben sich durch die Versuche, die sie gegen die Keuschheit eines ihrer Unterthanen gemacht hatten, Verschwörungen zu ihrem Verderben bereitet. So Archelaus, auch aus dem Machedonischen Stamme, von dem Kratäus. Immer schon hatte diser der Art des Umgangs, welchen der König mit ihm suchte, widerstanden, und Unwillen über die Absichten desselben geäußert. Es war also nur ein bloßer, obgleich sehr scheinbarer Vorwand von der unter ihnen ausbrechenden Feindschaft, daß Archelaus ihm von seinen Töchtern, die er ihm eine nach der andern zur Ehe versprochen, keine gegeben hatte. (Die älteste verheyrathete er bekanntlich, da er in den Krieg mit dem Sirra und Arrabäus verwickelt war, und Hülfe brauchte, mit dem Könige von Elimea: Und die jüngste gab er seinem eignen Sohne zweyter Ehe Amyntas: weil er glaubte, daß er auf diese Weise am besten die Mißhelligkeit zwischen diesem und dem Sohne der Kleopatra verhüten würde.) Die wahre Ursache jener Uneinigkeit war die Unzufriedenheit des Kratäus über die Zumuthungen einer unnatürlichen Wollust, die ihm der König machte. Der Antheil den Hellanokrates aus Larissa an der Verschwörung des Kratäus nahm, rührte aus einer gleichen Ursache her. Er hatte seine Jugend und Schönheit dem Könige zu seinen Lüsten Preiß gegeben; aber nur durch das Versprechen verführt, daß der König ihn in seine Vaterstadt Larissa, von wo er vertrieben war, wieder zurückbringen, und in seine väterlichen Güter wieder einsetzen würde. Da dieses nicht geschah: so glaubte Hellanokrates, daß nicht sowohl Liebe und Zuneigung, als Uebermuth und Lust ihn zu beschimpfen, den König zu dieser Ausschweifung verleitet habe. Paron und Heraklides, beyde aus Aenos in Thessalien, tödteten den Kotys König in Thracien, ihren Vater zu rächen; und Adamas fiel von ihm ab, weil er als Knabe auf seinen Befehl eine Operation erlitten hatte, die ihm in der Folge als eine Beschimpfung vorkam. / Nicht weniger als solche Entehrungen haben auch oft körperliche Mißhandlungen durch Schläge die Unterthanen dahin gebracht, ihre Beherrscher zu ermorden, oder sich in Verschwörungen gegen sie einzulassen. Auch wenn sich die Minister des Fürsten, oder die mit Ansehn bekleideten Diener desselben dergleichen Gewaltthätigkeiten schuldig gemacht haben, ist die Rache auf den Fürsten selbst gefallen. Z. B in Mitylene mißbrauchten die Pentaliden ihre Gewalt so übermüthig, daß sie mit Keulen bewaffnet, umhergiengen, und dem ersten dem besten der ihnen begegnete, Streiche versetzten. Dieser Uebermuth war es, der den Megakles mit seinen Verbündeten zu der Unternehmung bewog, die sich mit der Ermordung der Pentaliden endigte. Nach der Zeit brachte Smerdis den Pentilus selbst um, weil er von ihm war geschlagen, und von seiner Frau sonst gemißhandelt worden. Dekamnichus war der Anführer der Verschwörung gegen den Archelaus und brachte zuerst diejenigen, welche daran Theil nahmen, gegen den König in Harnisch. Die Ursache seines eigenen Zorns gegen denselben war folgende: Er hatte den Dichter Euripides durch einen Einfall beleidiget, den er auf dessen übelriechenden Athem gesagt hatte. Archelaus, bey dem Euripides darüber geklagt hatte, übergab ihn dem Euripes, mit der Erlaubniß, sich selbst Genugthuung an ihm zu nehmen. / Und wie viele andere, Könige und Dynasten, sind nicht theils um ihr Leben, theils um ihre Gewalt und ihre Würde gekommen! / Eine zweyte Ursache, welche Unternehmungen dieser Art veranlaßt, ist die Furcht; sie ist, wie ich gesagt habe, Republicken und Monarchien gemein. Ich will ein Beyspiel anführen. Artabanes brachte den Xerxes bloß deßwegen um, weil er die Rache desselben fürchtete. Xerxes hatte ihm nämlich den Befehl gegeben, den Darius zu tödten, allein Artabanes glaubte, er werde diesen in der Trunkenheit gegebenen Befehl vergessen, und befolgte ihn nicht. / Eine dritte Ursache sich gegen einen Monarchen zu empören, ist die Verachtung desselben. Sardanapalus wurde, wenn die alte allerdings etwas fabelhafte Geschichte wahr redet, bloß deswegen seines Zepters und seines Lebens beraubt, weil ihn Arbactus der Medier mitten unter seinen Weibern sitzend, und mit Wollekämmen und Spinnen beschäftiget gefunden hatte. Diese Geschichte, wenn sie auch nicht buchstäblich wahr ist, ist doch das Bild vieler ähnlichen Begebenheiten, die unstreitig geschehen sind. Dion würde nie daran gedacht haben, gegen den Dionysius den jüngern etwas zu unternehmen, wenn er ihn selbst verachtet, wenn er nicht bey seinen Mitbürgern dieselbe Gesinnung gegen den tyrann gefunden, wenn er diesen nicht immer trunken gesehen hätte. / Auch die zu große Vertraulichkeit, die ein Fürst Personen, die immer um ihn sind, gestattet, kann eine Veranlassung werden, daß diese allerley Anschläge gegen ihn machen. Denn diese Vertraulichkeit ist oft mit einer gewissen Verachtung verbunden. Ueberdieß macht das Vertrauen, welches der Fürst in sie setzt, daß sie weniger fürchten dürfen entdeckt zu werden. Diese Furchtlosigkeit in Absicht des regenten ist der Verachtung ähnlich, und hat mit ihr oft gleiche Folgen.«</klin> </k> <!--JJ:22 (IV A 10)-->
  <k id="jj-37-e" x="e" side="150" linie="6" nr="22"> <lemma><fed><kur>Die Politik des Aristoteles</kur> bd. 1, s. 468</fed></lemma> <klin>»So dachte Dion. Als er mit wenigen Begleitern gegen den Dionysius zu Felde zog, sagte er: ihm sey es genug an dieser Unternehmung, sie möge nun von ihm so weit gebracht werden als sie wolle, während der Zeit Theil gehabt zu haben: und selbst, wenn er kaum vom Schiffe ans Land gestigen sterben sollte, so würde er doch diesen Tod für glücklich und ehrenvoll halten.«</klin> </k> <!--<fed>-->
  <k id="jj-39-e" x="e" side="150" linie="14" nr="23"> <lemma><fed><kur>Theodicee</kur> s. 72</fed></lemma> <klin>»Es giebt zween beruffene Labyrinthe, in denen sich unsre Vernunft sehr oft verirret. Der eine betrifft die Frage von der <kur>Freyheit</kur>, und der <kur>Nothwendigkeit</kur>, sonderlich bey dem Ursprunge des Bösen: der andere besteht in der Untersuchung des Zusammenhanges der Materie und der untheilbaren Theilchen, die ihre Elemente zu seyn scheinen; wobey auch die Betrachtung des Unendlichen vorkommen muß. Der erste machet beynahe dem ganzen menschlichen Geschlechte, der andere aber bloß den Weltweisen zu schaffen.«</klin> </k> <!--JJ:29 (IV A 17)-->
  <k id="jj-59-e" x="e" side="151" linie="19" nr="29"> <lemma><fed><kur>Theodicee</kur> s. 344</fed></lemma> <klin>»Ich glaube nicht, daß ein <kur>Spinosist</kur> sagen werde, daß alle nur ersinnliche Romanen wirklich geschehen, oder sich begeben haben, oder sich doch noch an einem Orte der Welt zutragen werden. Inzwischen kann man doch nicht läugnen, daß dergleichen Romanen, wie des Fräul. von <kur>Scudery</kur>, oder wie die <kur>Octavia</kur>, möglich seyn.«</klin> </k> <!--JJ.42 (IV A 31)-->
  <k id="jj-88-e" x="e" side="154" linie="26" nr="42"> <lemma><fed><kur>Einleitung in die Geschichte</kur> bd. 6, s. 315-317</fed></lemma> <klin>»Die Folge war, daß beyde bald einander mehr von den Geheimnissen einer unerlaubten Liebe, als von den Wissenschaften unterhielten, da zumal der verliebte Lehrer, unter dem vorwande, daß er, seiner öffentlichen Vorlesungen wegen, den Tag über nicht Zeit genug finden könnte, die Nacht zu Hülfe nehmen müssen, vorgab, der allzusorgenlose Oheim aber solches, ohne einigen Argwohn zu fassen, willig gestattete, und den Lehrer und die Schülerinn zu einer so bedenklichen Zeit mit einander allein ließ. Der junge, von seinen Leidenschaften bald überwältigte Lehrer vergaß in dieser gefährlichen Lage, was er dem uneingeschränkten Vertrauen des Oheims, und die Schülerinn vergaß, was sie der jungfräulichen Sittsamkeit und Tugend ihres Geschlechts schuldig war. Seine Schüler erriethen seine Leidenschaften aus der Nachläßigkeit und Zerstreuung, womit er seine philosophischen Vorlesungen abwartete, und einige von ihnen konnten sich auch nicht enthalten, den Oheim seiner Heloise von dem zu benachrichtigen, was er vor andern zuerst hätte befürchten oder wahrnehmen sollen, wenn er nicht von seinem Eigennutze verblendet worden wäre. Sein Zorn über die ihm gemachte entdeckung war eben so heftig, als der Schmerz und die Verzweiflung der Verliebten. Abälard mußte sogleich sein Haus verlassen, und Heloisen wurde mit einer Strenge begegnet, der nur die Standhaftigkeit glich, womit sie ihres Oheims Unwillen ertrug. Ihre Zuneigung gegen ihren Geliebten wurde dadurch nicht gedämpft, sondern noch mehr entzündet, und bey der Entdeckung, daß sie schwanger war, empfand sie eine so übermäßige Freude, als nur immer die zärtlichste Liebe einer rechtmäßigen Ehegattinn über eine solche entdeckung empfinden kann. Sie theilte die Nachricht ihrer Empfindungen davon ihrem Liebhaber mit, der sie mit ihrer Bewil- / [s. 316] / ligung bald darauf aus ihres Oheims Hause heimlich entführte, und sie nach Bretagne zu seiner Schwester brachte, wo sie von einem Sohne entbunden wurde, der, ungeachtet sein vater mehr ein Verführer, als Philosoph war, dennoch einen sehr philosophischen Namen enthielt, und Astrolabus genannt wurde. Um den Oheim zu befänstigen, der über diese Entführung äußerst entrüstet war, erbot sich Abälard, sich mit Heloisen ehelich zu verbinden, und begehrte nur, daß siese Verbindung geheim gehalten werden möchte. Sie wurden auch, aller Einwendungen ungeachtet, die sie aus einer fast mehr als romanhaften zärtlichen Besorgniß für die litterarische Ehre ihres Abälards dawider machte, in Fulberts und einiger Zeugen Gegenwart zu Paris in aller Stille mit einander getrauet. Weil diese Ehe ein Geheimniß für die Welt bleiben sollte, so trennten sich beyde von einander, sahen auch einander nur selten, und ganz ins Geheim. Allein Fulbert machte, wider sein Wort, die Verheyrathung seiner Nichte mit Abälarden überall bekannt, und begegnete ihr zugleich mit nicht geringer Härte, als sie ihre Ehe sogar eidlich läugnete, damit ihr Geliebter nur durch die Entdeckung derselben an seinem philosophischen Ruhme und Beyfalle nichts verlieren möchte. Um sie nun von dieser Verfolgung zu befreyen, entführte sie Abälard, und schickte sie nach Argenteuil zu den dasigen Nonnen, unter denen Heloise ihre erste Erziehung erhalten hatte, wo er sie bis auf den Schleyer zur Nonne einkleiden ließ. Fulbert und ihre Verwandten glaubten oder überredeten sich, daß er dieses bloß gethan hätte, weil er ihrer überdrüßig geworden wäre. Erbittert über diese vermeinte Verachtung derselben, überfielen sie ihn einmal des Nachts in seinem Hause, um sich an ihm zu rächen, und mißhandelten ihn an seinem Leibe mit einer Grausamkeit, wodurch die weitere Fortsetzung seiner Ehe unmöglich ward, sie nun wi- / [s. 317] / der ihre Neigung völlig eine Nonne werden, er aber auch, nach dem damaligen Aberglauben, der Welt entsagen und in den Mönchstand zu treten, sich entschließen mußte. Er gieng ins Kloster des h. Dionysius zu Paris, als sie zu Argenteuil eingekleidet wurde. Nach seiner Heilung ersuchten ihn viele Geistliche, seine Vorlesungen über die Philosophie und theologie, wie auch über die schönen Wissenschaften, wieder anzufangen, welches in der Priorey zu Deuil geschah, wohin ihn die Mönche aus seinem Kloster geschickt hatten, um sich eines Mannes zu entledigen, der ihnen sein Mißfallen an ihrer ausschweifenden und zügellosen Lebensart nicht verheelen konnte.«</klin> </k> <!--JJ:159 (IV A 156)-->
  <k id="jj-391-e" x="e" side="192" linie="5" nr="159"> <lemma><fed><kur>Lehrbuch der Geschichte der Philosophie</kur> bd. 2, s. 4f.</fed></lemma> <klin>»Er unterschied diese von jener dadurch, dass er seine construirte Welt das παϱάδειγμα [gr. (parádeigma) mønster] der erscheinenden Welt nannte. Dieses war es was <kur>Aristoteles</kur> rügte und als leeres poetisches Gerede bezeichnete, indem er darthat, dass die erscheinende Welt nur begriffen zu wer- / [s. 5] / den brauche um selbst als ihr eigenes παϱάδειγμα sich darzustellen. So kam Aristoteles zu dem Satze, das der <kur>Begriff</kur> (als das Was-war-sein) <kur>von Allem die Wahrheit sei</kur> und hatte damit die Aufgabe den <kur>νοῦς</kur> [gr. (nous) fornuft] als Prinzip von Allem nachzuweisen gelöst. Den eben angegebenen Satz verknüpfte Aristoteles mit dem platonischen: dass der Gott das Mass aller Dinge, dadurch auf das engste, dass er Alles, wie es sich als Begriff darstellt, von Gott ableitete, der sich von sich selbst unterscheide (<kur>μονάς</kur> – <kur>δυάς</kur> [gr. (monás, dyás) enhed, tohed/dobbelthed]) und (indem die Dinge ihren Begriff erfüllen, der dadurch zu ihrem Zweck, <kur>τέλος</kur> [gr. (télos) mål, formål], wird) fortwährend in sich zurückkehre, was wieder dasselbe ist, wie wenn Platon die Dinge in ihrer Wahrheit als Ineinsbildung von <kur>πέϱας</kur> [gr. (péras) det endelige] und <kur>ἄπειϱον</kur> [gr. (ápeiron) det uendelige] begreift. Der Gott ist das in sich selbst bewegte, welches durch diese Bewegung die Dinge nach ihrem Begriff setzt, und, in der Erfüllung ihres Begriffs, durch die Liebe in sich zurücknimmt.«</klin> </k> <!--<fed>-->
  <k id="jj-392-e" x="e" side="192" linie="7" nr="159"> <lemma><fed><kur>Lehrbuch der Geschichte der Philosophie</kur> bd. 1, s. 247f.</fed></lemma> <klin>»Die Metaphysik oder, wie sie Aristoteles selbst genannt, die erste Philosophie oder Theologie beschäftigt sich mit Betrachtung des Seienden insofern es Seiendes. In der Metaphysik selbst zeigt sich ihr Gegenstand als selbständig (individuell) unbewegt und ewig auf. Es ist dieses das nach den Kategorien bestimmte Seiende, nämlich die Wesenheit, / [s. 248] / das Seiende nach innerer Möglichkeit (ϰατὰ δύναμιν [gr. (kata dýnamin) efter mulighed]) und das nach Thätigkeit (ϰατ᾿ ἐνέϱγειαν [gr. (kat' enérgeian) efter virksomhed, virkelighed]). Die aristotelische Anschauung ist nun diese: das nach innerer Möglichkeit Seiende ist als solches abstract festgehalten die Materie, und hat in dieser Abstraction so wenig Wirklichkeit wie das nach Thätigkeit Seiende, die Form, der Begriff, abstract festgehalten; denn beide sind in Wahrheit dasselbe, nämlich eines das andere, so dass nur dasjenige Wirklichkeit hat, woran sie in dieser Einheit auftreten. Das Sich-auf-zeigen dessen was es ist, ist die Bewegung des nach Möglichkeit Seienden, so dass es als Ziel sich selbst wie es Thätigkeit ist hat. Daher ist diese Bewegung sowohl des Seienden Werden als dessen Erkenntniss. Aber das der Möglichkeit nach Seiende ist gesetzt durch es wie es nach Thatigkeit ist, welches in der Zeugung der Natur wie in dem Schaffen des Künstlers auftritt. So ist alles Seiende in der Bewegung von sich zu sich, ist das Was-war-sein. Mit dieser Betrachtung schliesst nun die der Wesenheit des Zugrundeliegenden sich zusammen. In ihrem Begriffe ist die Wesenheit das Selbstständige, daher nicht das abstract Allgemeine und nicht das Geschlecht (die Gattung), sondern das Individuelle, welches als das Was-war-sein alles Seienden bezeichnet wird. Da die Materie die Wesenheit nur als Möglichkeit enthält, so ist an ihr das Negative (auch nicht zu sein – die Beraubung), und dieses, das Nichtsein, ist ihr Unterschied von der Wesenheit wie sie als Thätigkeit. Mithin hat die Materie keine Wirklichkeit, wohl aber drückt der Begriff diese aus, wenn er nicht als Gegensatz gegen die Materie gefasst wird, sondern als das Was-war-sein. Dieses aber tritt in der Selbstbewegung des Seienden als das Wesswegen, als der Zweck auf. <kur>(...)</kur>.«</klin> </k> <!--JJ:238 (V A 45)-->
  <k id="jj-588-e" x="e" side="217" linie="6" nr="238"> <lemma><fed><kur>Lebensbeschreibungen</kur> s. 80 nederst - 87 nederst</fed></lemma> <klin>» / Einige Kebs-Weiber suchen die Aufführung der Melisse bey dem Periander verdächtig zu machen; dieses sein Weib war damahls schwanger: die Nachrichten, die man ihm ertheilet hatte, verursachten bey ihm eine rasende Eiffersucht. Er begegnete ihr zum Unglück als sie eine Treppe hinauf stieg, und trat ihr mit dem Fus wieder den Leib, daß sie herunter stürzte; darüber kamen sowohl die Mutter als das Kind, welches sie trug, um das Leben. Diese That reuete dem Periander auf der Stelle, denn er liebte seine Frau ungemein: er warff sich auf ihren todten Leichnam. Die Hefftigkeit seiner Leidenschafft / [s. 81] / trieb seine Wuth bis zur Verzweifflung. [<kur>Fodnote:</kur> Es giebt noch viele solche Menschen, die so leicht vom Zorn übereilet etwas Böses thun, als solches hernach mit gleicher Wuth bereuen. Die meisten Verbrechen der Menschen rühren daher, daß sie, wann sie von einer Regung aufgebracht werden, keine Freyheit haben dasjenige zu überlegen was sie thun.] Er lies diejenige Weiber, die ihm die Eiffersucht in Kopf gesetzet hatten, gefangen nehmen und verbrennen. / Proclos vernahm nicht so bald den grausamen Todt seiner geliebten Tochter, so lies er ihre beyde Söhne zu sich bringen, für welche er alle mögliche Zärtlichkeit hatte. Er behielt sie eine Zeitlang zu seinem Trost bey sich; und als er dieselbe ihrem Vater wieder zurück sand, sprach er zu ihnen, indem er sie hertzlich umarmte: Ihr kennet, meine Kinder, den Mörder eurer Mutter. Der älteste verstund nicht was dieses sagen wolte, der jüngste aber wurde dadurch so lebhafft gerühret, daß er, als er wieder nach Corinth gekommen war, sich vornahm, niemahls mit seinem Vater zu reden, noch ihm zu antworten, wenn er ihn etwas fragen würde. Periander wurde über dieses närrische Bezeigen seines Sohns dermassen erbittert, daß er ihn aus seinem Haus versties. / Er that darauf viele Frage an den Cypseles, seinen ältesten Sohn, um von ihm zu erfahren, was ihnen Procles gesagt hätte. Cypseles aber, welcher alles vergessen hatte, wuste ihm nichts anders zu erzehlen, als daß sie von demselben / [s. 82] / sehr wohl wären gehalten worden. Periander war damit nicht zufrieden, dann er merckte wohl, daß noch etwas anders müste vorgegangen seyn. / Er fragte deswegen den Cypseles so lang und so viel, bis endlich dieser sich der letzten Worten erinnerte, welche Procles gegen ihn und seinen Bruder herausgestosen hatte, als sie von ihm Abschied nahmen. Er erzehlte solches seinem Vater. Periander begriff bald was Procles damit seinen Kindern hatte sagen wollen: er wuste deswegen die Sachen so einzurichten, daß sein jüngster Sohn sich genöthiget sah, zu ihm seine Zuflucht zu nehmen. Er verbot denenjenigen, die ihn aufgenommen hatten, ihn weiter bey sich zu behalten. / Lycophroon, der sich also von dem Ort, wohin er sich geflüchtet hatte, vertrieben sah, gieng von Haus zu Haus; niemand aber wolte aus Furcht vor dem Periander ihn aufnehmen. Endlich fand er einige Freunde, die Mitleiden mit ihm hatten: diese nahmen ihn zu sich und wagten es dem König ungehorsam zu seyn. / Periander lies darauf kund machen, daß wer den Lycophroon heegen, oder auch nur mit ihm reden würde, der solte des Todes seyn. Die Furcht einer so harten Straffe schreckte endlich alle Einwohner von corinth. Kein Mensch wolte sich weiter mit dem Lycophroon einlassen. Dieser unglückliche hielt sich also die Nächte über unter den offenen Gängen der Häuser auf. Alle / [s. 83] / Menschen flohen ihn als ein reiffendes und wildes Thier. Vier Tage giengen also dahin. Lycophroon war von Hunger und Elend dergestalt ausgezehret daß er schier einen Todten ähnlich sah. / Dieser betrübte Zustand erweckte das Mitleiden seines Vaters; Periander gieng selbst zu ihm hin: O Lycophroon! redete er ihn an, welcher Zustand ist mehr zu wünschen: ein so unglückseliges Leben zu führen, wie Du? oder meine Macht zu erlangen und der völlige Herr von allen meinen Schätzen zu seyn? Du bist mein Sohn, und ein Prinz von dieser herrlichen Stadt Corinth. Hat sich bey uns ein wiederwärtiger Zufall ereignet, so bin ich darüber um so viel schmertzlicher gerühret, weil ich mich selbst, als die unglückselige Ursach davon betrachten muß. Was dich betrifft, so hast du dir selbst alles Unheil über den Hals gezogen, da du denjenigen zum Zorn gerei'et, dem du die meiste Ehrerbietung schuldig bist: Du siehest nun was es sey, sich gegen seinen eignen Vater zu verhalsstarrigen. Ich erlaube dir dem ungeacht wieder in mein Haus zu kommen. Lycophroon blieb über diese Reden des Perianders so unbeweglich als ein Fels. Er antwortete ihm ganz kaltsinnig: Du selbst verdienest die Straffe, damit du andre bedrohest, weil dui mit mir geredet hast. / Periander, als er sah daß bey seinem Sohn die Hartnäckigkeit so gros war, daß es unmöglich schien solche zu überwinden, faßte den Ent- / [s. 84] / schluß denselben von seinen Augen zu entfernen; er erwies ihn nach Corcyra, einer Landschafft die unter seiner Botmäßigkeit stund. / Periander war unterdessen sehr zornig auf den Procles, welchen er als den Urheber des Misverständnisses betrachtete, das zwischen ihm und seinem Sohn herrschte: er brachte ein Kriegs-Heer zusammen, führte solches selber an und überzog damit den Procles, seinem Schwieger-Vater. Alles gieng ihm glücklich von statten. Er machte sich Meister von der Stadt Eupidaurus, nahm den Procles gefangen, und lies ihn bewachen, ohne ihn zu tödten. / Nach Verlauf einiger Zeit fand Periander, der begute alt zu werden, nach Corcyra, um dem Lycophroon die höchste Gewalt, welche er niederlegen wolte, zu übertragen, weil sein ältester Sohn zur Regierung untüchtig war; allein Lycophroon wolte dem Abgesandten, der ihm den Vortrag thun solte, auch sogar nicht ein einziges Wort antworten. Periander, welcher diesen Sohn zärtlich liebte, lies sich dadurch nicht abschrecken: er befahl seiner Tochter sich nach Corcyra zu begeben, in Meynung, sie würde mehr Vermögen über den Sinn ihres Bruders haben, als alle listige Mittel, die er bisher angewendet hatte, denselben zu gewinnen. / Sobald war diese junge Prinzeßin nicht bey ihrem Bruder angelanget, so beschwur sie denselben bey allem was sie nur glaubte das ihn bewegen / [s. 85] / könte, um seinen Eigensinn zu brechen. Siehest du denn lieber, sagte sie unter andern zu ihm, daß das Königreich einem Fremden zu Theil werde, als dir? Die höchste Gewalt ist einem unbeständigen Weibsbild ähnlich, welche jederzeit viel Buhler um sich hat: Unser Vater ist alt, und nahe bey seinem Todt; wenn du nicht eilend komst, so ist es um unser Haus geschehen. Uberlasse deswegen doch keinem andern diejenige Hoheit, die dich erwartet, und die dir von Rechtswegen gebühret. / Lycophroon versicherte darauf seine Schwester, daß er durchaus nicht nach Corinth gehen wolte so lange sein Vater daselbst seyn würde. / Die Prinzeßin reißte also wieder nach Haus und hinterbrachte ihrem Vater die Antwort des Lycophroon. Periander schickte zum dritten mahl nach Corcyra und lies seinem Sohn zu wissen thun, daß er kommen könte, wann er wolte, um Besitz von dem Königreich Corinth zu nehmen; denn er für sich wäre gesonnen, seine noch übrige Lebenszeit zu Corcyra zu beschliesen. / Lycophroon willigte in diese Bedingung. Beyde, er und der Vater, waren also im Begriff ihren bisherigen Auffenthalt gegen einander zu vertauschen. Allein die Corcyrener bekamen davon Nachricht: sie hatten eine solche Furcht vor dem Periander, daß sie den Lycophroon ermordeten, um zu verhindern, daß Periander nicht / [s. 86] / kommen und bey ihnen seine Wohnung auffschlagen möchte. / Periander war über den Todt seines Sohns in Verzweiffelung. Er lies in seiner Wuth alsobald dreyhundert Kinder aus den besten Häusern von Corcyra gefangen nehmen und wolte sie dem Haliattes senden, um sie zu Beschnittenen zu machen. / Das Schiff, worauf sich diese unschuldige Kinder befanden, wurde durch einenen wiedrigen Sturm genöthiget vor Samos zu anckern. Als die Samier vernahmen, warum man dieses junge unglückselige Volck nach Sardis überbringen solte, wurde dadurch ihr Mitleiden dermassen gerühret, daß sie den Kindern riethen, heimlich sich in der Dianen Tempel zu flüchten. Dieses geschah: so bald war diese unschuldige Jugend nicht in Sicherheit, so wolten die Samier nicht zugeben, daß die Corinther sie wieder aus der Dianen Tempel heraus nehmen solten; sie sagten, daß sie unter dem Schutz dieser Göttin wären. Sie fanden auch bald Mittel, diesen jungen Fremdlingen einen Unterhalt zu verschaffen, ohne deswegen sich als Feinde des Perianders zu erklären: Sie sandten alle Abend ihre sämtliche Jugend so wohl Töchter als Söhne auf den Platz des Tempels, um welchen sie musten einen Reyhen tanzen. Sie gaben ihnen frische Kuchen mit Honig, welche diese muntere Tänzer unter ihren Springen in dem Tempel warffen. Die Kinder von Corcyra huben sie auf und nähreten sich damit. Wie / [s. 87] / nun diese Tänze alle Abend vorgenommen wurden, so begunten endlich die Corinther des Wartens überdrüßig zu werden und begaben sich wieder nach Haus. / Periander, da er sah, daß er nicht den Todt seines Sohns, wie er wolte, rächen konte, empfand darüber einen so beissenden Verdruß, daß er sich entschloß, nicht länger zu leben; damit aber niemand wissen solte, wo sein Leichnam hingekommen wär, erfand er dieses Mittel; er lies zwey junge Leute kommen, denen er einen Neben-Gang zeigte. Er befahl ihnen die folgende Nacht auf demselben sich einzufinden, und den ersten Menschen zu tödten, den sie darauf antreffen würden, wie auch den getödteten sogleich auf der Stelle einzuscharren. Als diese weg waren, lies er vier andere kommen, denen er ebenfals den Befehl gab, in diesem Gang auf und ab zu gehen, und darinnen zwey junge Leute, welche ihnen auffstosen würden, niederzumachen und sogleich auch zu vergraben. Da auch diese von ihm gegangen waren, lies er noch eine grösere Anzahl kommen, denen er ebenmäsig befahl, die obgemeldte vier niederzuhauen, und sie da einzuscharren, wo sie solche erlegen würden. Als er nun alles dieses nach seinem Wunsch so eingerichtet hatte, fand er sich zur bestimten Zeit, in dem Nebenweg ein, und wurde daselbst von den beyden darzu bestellten jungen Leuten umgebracht. [<kur>Fodnote.</kur> So konte niemand erfahren wo Periander hingekommen war. Wer hat es also der Nachtwelt entdeckt? Die ganze Geschicht hat etwas von einem sinnreichenMährgen.]«</klin> </k> <!--JJ:266.a (V A 74)-->
  <k id="jj-646-e" x="e" side="225m" linie="1" nr="266.a"> <lemma><fed><kur>Elementa logices Aristotelicae</kur> s. 15f.</fed></lemma> <klin>»§. 50. ῎Εστι δὲ ἀληϑῆ μὲν ϰαὶ πϱῶτα τὰ μὴ δι᾿ ἑτέϱων ἀλλὰ δι᾿ αὑτῶν ἔχοντα τὴν πίστιν· οὐ δεῖ γὰϱ ἐν ταῖς ἐπιστημονιϰαῖς ἀϱχαῖς ἐπιζητεῖσϑαι τὸ διὰ τί, ἀλλ᾿ ἑϰάστην τῶν ἀϱχῶν αὐτὴν ϰαϑ᾿ ἑαυτὴν εἶναι πιστήν (<kur>top. I. 1.</kur> [Aristoteles <kur>Topikken</kur>, 100a 30 - 100b 21]) / Διχῶς δ᾿ ἀναγϰαῖον πϱογινώσϰειν· τὰ μὲν γὰϱ, ὅτι ἔστι, πϱοϋπολαμβάνειν ἀναγϰαῖον, τὰ δέ, τί τὸ λεγόμενόν ἐστι, ξυνιέναι δεῖ, τὰ δ᾿ ἄμϕω, οἷον ὅτι μὲν ἄπαν ἢ ϕῆσαι ἢ ἀποϕῆσαι ἀληϑές, ὅτι ἔστι, τὸ δὲ τϱίγωνον, ὅτι τοδὶ σημαίνει, τὴν δὲ μονάδα ἄμϕω, ϰαὶ τί σημαίνει ϰαὶ ὅτι ἔστιν (<kur>analyt. post. I. 1.</kur> [Aristoteles <kur>Anden analytik</kur>, 1. bog, kap.1, 71a 11-16])«</klin> </k> <!--JJ:267 (V A 75)-->
  <k id="jj-647-e" x="e" side="225" linie="20" nr="267"> <lemma><fed><kur>Elementa logices Aristotelicae</kur> s. 16</fed></lemma> <klin>»῾Ημεῖς δέ ϕαμεν οὔτε πᾶσαν ἐπιστήμην ἀποδειϰτιϰὴν εἶναι, ἀλλὰ τὴν τῶν ἀμέσων ἀναπόδειϰτον. ϰαὶ τοῦϑ᾿ ὅτι ἀναγϰαῖον, ϕανεϱόν· εἰ γὰϱ ἀνάγϰη μὲν ἐπίστασϑαι τὰ πϱότεϱα ϰαὶ ἐξ ὧν ἡ ἀπόδειξις, ἵσταται δέ ποτε τὰ ἄμεσα, ταῦτ᾿ ἀναπόδειϰτα ἀνάγϰη εἶναι. ταῦτά τ᾿ οὖν οὕτω λέγομεν, ϰαὶ οὐ μόνον ἐπιστήμην ἀλλὰ ϰαὶ ἀϱχὴν ἐπιστήμης εἶναί τινά ϕαμεν, ᾗ τοὺς ὅϱους γνωϱίζομεν (<kur>analyt. post. I. 3.</kur> [Aristoteles <kur>Anden analytik</kur>, 1. bog, kap. 3, 72b 18-25]) / ᾿Ανάγϰη μὴ μόνον πϱογινώσϰειν τὰ πϱῶτα ἢ πάντα ἢ ἔνια, ἀλλὰ ϰαὶ μᾶλλον· ἀεὶ γὰϱ δι᾿ ὃ ὑπάϱχει ἕϰαστον, ἐϰεῖνο μᾶλλον ὑπάϱχει, οἷον δι᾿ ὃ ϕιλοῦμεν, ἐϰεῖνο ϕίλον μᾶλλον. ὥστ᾿ εἴπεϱ ἴσμεν διὰ τὰ πϱῶτα ϰαὶ πιστεύομεν, ϰἀϰεῖνα ἴσμεν τε ϰαὶ πιστεύομεν μᾶλλον, ὅτι δι᾿ ἐϰεῖνα ϰαὶ τὰ ὕστεϱον. (<kur>analyt. post. I. 2.</kur> [Aristoteles <kur>Anden analytik</kur>, 1. bog, kap. 2, 72a 27-32])«</klin> </k> <!--JJ:280 (V A 89)-->
  <k id="jj-678-e" x="e" side="228" linie="23" nr="280"> <lemma><fed><kur>Shelley's poetische Werke</kur> s. 57</fed></lemma> <klin>»Die einzige Schöpfung der Phantasie, welche einigermaßen Prometheus gleicht, ist Satan, und Prometheus ist nach meiner Meinung ein Charakter von höherer Poesie als Satan; denn außer daß Muth, Erhabenheit und standhafter und duldender Kampf gegen eine allmächtige Gewalt nothwendige Seiten seines Charakters sind, läßt er sich als frei von den Flecken der Erhsucht, des Neides, der Rache und des Strebens nach Herrschaft zeigen, welche in dem Helden des verlorenen Paradieses dem Interesse Eintrag thun. Der Charakter Satans erzeugt eine gefährliche Casuistik, welche seine Fehler gegen seine Leiden abwägen und die erstern entschuldigen läßt, weil die letztern außer allem Maße gewesen sind. Bei Denjenigen, welche diese erhabene Schöpfung mit religiösen Gefühlen betrachten, hat sie noch schlimmere Wirkungen. Aber Prometheus ist gleichsam der Typus der höchsten Vollkommenheit des Geistes und Gemüthes, von den reinsten und wahrsten Motiven zu dem besten und edelsten Ziel angetrieben.«</klin> </k> <!--JJ:288 (V A 98)-->
  <k id="jj-710-e" x="e" side="231" linie="18" nr="288"> <lemma><fed><kur>De anima</kur> s. 83</fed></lemma> <klin>»ϰαίτοι ἔδει ἅμα ϰαὶ πεϱὶ τοῦ ἠπατῆσϑαι αὐτοὺς λέγειν· οἰϰειότεϱον γὰϱ τοῖς ζῴοις, ϰαὶ πλείω χϱόνον ἐν τούτῳ διατελεῖ ἡ ψυχή. διὸ ἀνάγϰη ἤτοι ὥσπεϱ ἔνιοι λέγουσι, πάντι τὰ ϕαινόμενα εἶναι ἀληϑῆ, ἢ τὴν τοῦ ἀνομοίου ϑίξιν ἀπάτην εἶναι· τοῦτο γὰϱ ἐναντίον τῷ τῷ ὁμοίῳ τὸ ὅμοιον γνωϱίζειν· δοϰεῖ δὲ ϰαὶ ἡ ἀπάτη ϰαὶ ἡ ἐπιστήμη τῶν ἐναντίων ἡ αὐτὴ εἶναι«</klin> </k> <!--JJ:334 (VI A 49)-->
  <k id="jj-836-e" x="e" side="248" linie="1" nr="334"> <lemma><fed><kur>Orestias</kur> s. 114f.</fed></lemma> <klin>»<kur>Orestes.</kur> / Ak! Ak! / I Terner! see! – der staae de hist – Gorgoner [slangehårede kvindeskabninger med rædselsvækkende ansigter] lig, – / sorthyllede – see! ud af Haaret bugter sig / en Slangevrimmel – nei! jeg kan ei dvæle her! / <kur>Chor.</kur> / Hvad Syner skrække <kur>Dig</kur>, som meest af Alle var / din Fader kjær? – Frygt ei midt i dit Seiersheld! / <kur>Orestes.</kur> / Det er ei Gøglesyner af min Sjæleqval, – / nei, nei! det er min Moders vrede Hunde [hævngudinder] – vee! / <kur>Chor.</kur> / End klæber Dig Din Moders Blod paa Haanden, Søn! / derfra nedsænker sig Forvirring i din Sjæl. / <kur>Orestes.</kur> / O store Drot Apollon – hvor de vrimle frem! – / Fra Øinene neddrypper Blod – forfærdeligt! / <kur>Chor.</kur> / Derinde skeer Forsoning. Knæfald Loxias [Apollon]! / Da skal han vist frigjøre Dig fra al din Sorg. / <kur>Orestes.</kur> / I see dem ikke – nei! men jeg, jeg seer dem, – der, – / de jage mig afsted herfra – ha! jeg maa flye!«</klin> </k> <!--JJ:350 (VI A 71)-->
  <k id="jj-879-e" x="e" side="256" linie="5" nr="350"> <lemma><fed><kur>Plutarchs moralische Abhandlungen</kur> s. 508-510</fed></lemma> <klin>»Auf einem Fluße, sagt <kur>Heraklitus</kur>, kann man nicht zweymal gehen, und eben so kann man auch ein sterbliches Wesen nicht zweymal in dem nemlichen Zustande antreffen, sondern durch die Heftigkeit und Geschwindigkeit der Veränderung wird es bald zerstreuet, bald wieder vereiniget; bald kömmt es, bald geht es weg. Daher gelangt auch nichts, das entsteht, zur wirklichen Existenz mit einer ohne Aufhören immer fortdauernden Entstehung, sondern die Veränderung fängt sich schon mit dem Saamen an, aus welchem zuerst der Embryon, dann das Kind, hernach der Knabe, der Jüngling, der Mann, der Alte und zuletzt der Greiß gebildet wird, so daß immer die ersten Entstehungen und Alter in den darausfolgenden untergehen. In Wahrheit, es ist sehr lächerlich, daß wir uns noch vor dem Tode fürchten, die wir schon so oft gestorben sind und noch sterben. <kur>Heraklitus</kur> sagt: 'Der Tod des Feuers ist der Ursprung der Luft, der Tod der Luft, der Ursprung des Wassers.' Aber weit deutlicher wird man dieß an dem Menschen selbst gewahr. Denn der Mann stirbt, wenn er ein Greiß wird; der Jüngling stirbt in dem Manne, der Knabe in dem Jünglinge, das Kind in dem Knaben. Der Gestrige ist in dem Heutigen gestorben, und der Heutige stirbt in dem Morgenden. Keiner bleibt, keiner ist ein einziger, sondern wir werden viele, indem nur die Materie sich um ein einziges Bild, um eine gemeinschaftliche Form herumtreibt, und wieder entschlupft. Denn wie können wir, wenn wir immer dieselben blieben, jetzt an andern Dingen ein Vergnügen finden, als ehedem? Wie könnten wir ganz entgegengesetzte Dinge lieben oder hassen, bewundern oder tadeln? Wie könnten wir andere Reden führen, andere Leidenschaften annehmen, ohne zugleich eine andere Gestalt, Form und Gesinnung zu haben? So wenig es möglich ist, ohne Veränderung in einen andern Zustand zu kommen, so wenig ist der, welcher verändert wird, noch ebenderselbe; ist er aber nicht mehr derselbe, so ist er auch selbst nicht mehr, und darinne besteht eben seine Veränderung, daß er aus dem einen ein anderer wird. Die Empfindung täuscht uns nur, weil wir nicht wissen, daß unsere Existenz scheinbare Sache ist.«</klin> </k> <!--JJ:439 (VII 1 A 31)-->
  <k id="jj-1130-e" x="e" side="287" linie="13" nr="439"> <lemma><fed><kur>Spinoza opera</kur>, s. 307f.</fed></lemma> <klin>»Nec hic praetereundum est, quod hujus doctrinae Sectatores, qui in assignandis rerum finibus suum ingenium ostentare voluerunt, ad hanc suam doctrinam probandam, <kur>novum attulerunt modum argumentandi, reducendo scilicet, non ad impossibile, sed ad ignorantiam;</kur> quod ostendit nullum aliud fuisse huic doctrinae argumentandi medium. Nam si ex. gr. ex culmine aliquo lapis in alicujus caput ceciderit eumque interfecerit, hoc modo demonstrabunt, lapidem ad hominem interficiendum cecidisse. Ni enim eum in finem, Deo id volente, ceciderit, quomodo tot circumstantiae (saepe enim multae simul concurrunt) casu concurrere potuerunt? Respondebis fortasse, id ex eo, quod ventus flavit et quod homo illac iter habebat, evenisse. At instabunt, cur ventus illo tempore flavit? cur homo illo eodemque tempore illac iter habebat? Si iterum respendeas, ventum tum ortum, quia mare praecedenti die, tempore adhuc tranquillo, agitari inceperat, et quod homo ab amico invitatus fuerat; instabunt iterum, quia nullus rogandi finis, cur autem mare agitabatur? cur homo in illud tempus invitatus fuit? et sic porro causarum causas rogare non cessabunt, donec ad Dei voluntatem, hoc est, ignorantiae asylum confugeris. Sic etiam, ubi corporis humani fabricam vident, stupescunt et ex eo, quod tantae artis causas ignorant, concludent, eandem non mechanica, sed divina, vel supernaturali arte fabricari, talique modo constitui, ut una pars alteram non laedet«</klin> </k> <!---->
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